Das war 2020 für uns

Ein einzigartiges Jahr liegt hinter uns. Wenn ich an die letzten 12 Monate denke, dann kann ich nur staunen, was möglich war.

Zunächst einmal konnten wir alle unsere geplanten Einsätze durchführen. Schon allein diese Tatsache ist für 2020 nicht selbstverständlich. Wir starteten Ende Februar mit unserem Bauteam, welches innerhalb von einer Woche gleich an 2 Baustellen tätig sein konnte. Im Sommerhalbjahr bis in den Herbst hinein standen 3 unserer Hike´n´Help-Einsätze auf dem Programm. Den Abschluss bildete wie gewohnt der Weihnachtseinsatz in Lonea. Dazwischen im ganzen Jahr verteilt gab es immer wieder Ermutigungs- und Seminarfahrten in verschiedenste Orte in ganz Rumänien.

Natürlich ist vieles in diesem besonderen Jahr auch an uns nicht spurlos vorbei gegangen. Mehr als zuvor haben wir vor den Einsätzen um die richtige Entscheidung gerungen. Mehr als zuvor haben wir Gott um Antwort auf unsere Fragen gebeten. Ich kann mich an viele Gespräche erinnern, in denen die Themen Angst, Risiko und Verantwortung die wichtigste Rolle gespielt haben. Am Ende eines jeden Einsatzes stand die klare Aussage: Gut, dass wir diesen Einsatz gemacht haben.

Wir haben erlebt, dass die Menschen in Rumänien im letzten Jahr ganz besonders unsere Hilfe und unsere Begegnung brauchten. Viele andere Vereine und Organisationen hatten ihre Fahrten abgesagt, sodass wir in manchen Projekten die einzigen ausländischen Helfer waren. Die Menschen sehnen sich so sehr nach Unterstützung und Gemeinschaft. Vom Kinderheim bis zu den Ärmsten in den Roma-Siedlungen, alle kämpfen mit den Umständen, die 2020 mit sich brachten. Wir können sie nicht einfach im Stich lassen.

Etwas ist uns im letzten Jahr besonders bewusst geworden: Nächstenliebe kostet etwas. Manchmal kostet es vielleicht nur 2 Wochen Quarantäne. Aber das Geschenk für die Menschen, die es dringend brauchen, ist um einiges wertvoller. Danke an euch alle, die ihr letztes Jahr mit uns unterwegs wart. Ihr habt die Menschen in Rumänien mit eurem Einsatz beschenkt. Danke an euch alle, die ihr uns mit Worten und Finanzen ermutigt und für uns gebetet habt. Ohne euch wäre vieles nicht möglich gewesen. Danke an unseren gnädigen Gott, der uns so viele Dinge gezeigt und so vieles möglich gemacht hat. Ein Privileg mit ihm unterwegs zu sein.

 

Die 2  Erlebnisberichte von Wolfgang und Stefan sind beindruckende Beispiele von Gottes Handeln.  Absolut lesenswert:

Liebe Freunde,
in diesem Jahr fällt mir die Entscheidung, ob ich nach Rumänien fahren soll oder nicht, echt schwer. Umstände, Informationen, auch der Rat guter Freunde sprechen dagegen. Lohnt sich all der Aufwand, nur um ein paar Menschen in diesem Land zu ermutigen und ihnen zu dienen?
Irgendwann entscheide ich mich doch zu fahren und mein Gebet dazu ist: Herr schenke mir DEINEN Frieden. Diesen darf ich spüren, aber er wird auch gleich wieder auf die Probe gestellt als Deutschland den landesweiten „Lockdown“ ausruft.
Zwei Tage später fahre ich. Entgegen aller Prognosen komme ich ohne Probleme über alle Grenzen. Keine Fragen, keine Kontrollen, keine Erklärungen oder Tests. Als ich die Serpentinen ins Tal, nach Petrila hinabfahre, reißt der Himmel auf. Die Sonne wird sichtbar und SEIN Frieden macht mich ruhig.
Ich komme pünktlich zur Weihnachtsfeier der Kinder unseres Projektes. Abstand und Masken prägen auch hier das Bild, aber die Freude der Kinder ist offensichtlich.
Anschließend sitzen Ghita (der Leiter des Projekts) und ich mit den Teamkindern und sprechen darüber, was wir am Heiligen Abend tun wollen. Einschränkungen und Verordnungen machen Gewohntes unmöglich. Aber wir sind kreativ und beschließen, uns trotz allem aufzumachen, um Menschen die Botschaft von Gottes Liebe zu verkünden. Wir gestalten Briefe mit einem persönlichen Gruß und der Weihnachtsgeschichte nach Lukas.
In Dreiergruppen (mehr ist an diesem Abend nicht erlaubt) machen wir uns auf den Weg. Da es verboten ist, an Haustüren zu singen, gehen wir ohne ein bestimmtes Ziel durch die Stadt. Wir treffen einsame Menschen auf Parkbänken, Verkaufspersonal an Spätverkaufsstellen, oder Apotheken. Pförtner, die in Wachstuben Dienst haben und Menschen, die vor einer Kneipe (die wohl vom Ordnungsamt übersehen wurde) mit Alkohol in der Hand, ihre Einsamkeit vergessen wollten.
All diese Menschen versuchen wir mit dem Brief, einem Lied, einem Wort oder auch nur mit einem Lächeln zu ermutigen und ihnen zu sagen: Gott liebt dich, darum ist ER Mensch geworden.
Vielleicht ist das alles nicht viel und vielleicht ist das größere Wunder auch nur an uns selbst geschehen. Jedenfalls wird mir in einer Auswertungsrunde am Ende dieses Abends deutlich, wie begeistert diese Kinder und wie ergriffen ich selbst von diesem Abend bin. Sie erzählen von ihren Beobachtungen und Erfahrungen, von der Überraschung der diensttuenden Pförtner, von lauten, krakeelenden Menschen, die plötzlich ruhig wurde, von der Frau in der Kneipe, der bei einem Lied die Tränen kamen. Aber vor allem
erzählen sie davon wie sie ihre Scheu, auf andere zuzugehen, überwunden haben und somit ganz persönlich zum Überbringer der Frohen Botschaft wurden.
Zwei Tage später sitze ich im Auto und bin auf der Rückfahrt. Mir fällt eine Situation während eines Spaziergangs ein. Ich steige auf einen Berg und komme aus einer dichten Wolkendecke in die Sonne. Den ganzen Tag kann ich sie genießen und auf dem Gipfel sehe ich das Land unter der Wolkendecke, nur die anderen Berge überragen diese. Beim Abstieg freue ich mich auf den Sonnenuntergang. Ich komme aber nicht dazu diesen zu erleben, da sich die Wolkendecke hebt und innerhalb von Minuten bin ich von grauen Wolken, Nebel und Nieselregen umgeben. Mir ist unheimlich und ich merke, wie schnell all die schönen Eindrücke des Tages weg sind und plötzlich Furcht da ist und es kostet mich Anstrengung, mir von ihr nicht das Schöne dieses Tages rauben zu lassen. Mit der Zusicherung Gottes: Fürchte dich nicht! Ist es genauso. Sie ist da, auch wenn uns Wolken umgeben, aber es kostet etwas, sich das immer wieder neu bewusst zu machen.
Während ich ohne Probleme die Grenzen passiere, spüre ich Frieden in mir und Gottes Zuspruch: Fürchte dich nicht! Und mir ist klar: Ja, all der Aufwand hat sich gelohnt und ich bin dankbar, dass ich mich auch in dieser Zeit aufmachen konnte, um Menschen zu dienen.
Vielen Dank euch allen, die ihr dies mitgetragen habt. Danke für alle Unterstützung und Gebete und Gottes Segen für das kommende Jahr, sowie die Gewissheit SEINES Zuspruchs:
Fürchte dich nicht!

 

In Lonea am Heiligen Abend:

130 Weihnachtsbriefe verteilten die Teenager aus Lonea am 24.12. Eine Gruppe sang vor dem Supermarkt, und verkündigte auch dem auf dem Boden sitzenden Mann die Frohe Botschaft.

Was für eine wundervolle Zeit. Gestern haben wir uns entschlossen, die Weihnachtsbotschaft zu den Menschen zu bringen. Wir fanden die Leute vor der Apotheke, am Krankenhaus, in einer Bar, Wachleute auf der Straße, einfache Menschen. Was haben wir gesehen? Freude, Tränen, Nachdenklichkeit. Um 22 Uhr zur Ausgangssperre gingen wir dann in unser Jugendzentrum, aßen zusammen und schauten nochmal zurück auf dieses Jahr. Was hat Gott getan in unserem Leben und Alltag? Ich hörte die starken Zeugnisse dieser Teenager und mein Herz war überwältigt von Freude. Ihr Licht leuchtete in diesem Jahr und Gott wirkte auch in besonderen Zeiten.“ (Giza)

In Suceava am Heiligen Abend:

Paula und Robert luden ihre kleine Gruppe von „Jüngern“ ein zu einer schlichten Weihnachtsfeier. Aber wo kann man sich treffen? Unsere Kollegin Irene stellte ihre Wohnung zur Verfügung. Robert beschreibt den Abend:„Ich war von ihrer Gastfreundschaft überwältigt und möchte mir daran ein Beispiel nehmen. Wir waren sechs Leute und hatten vier Programmpunkte: Spielen, Essen, Andacht mit Austausch und das Einüben von Weihnachtsliedern. Denn in dieser Nacht wollten wir zu unseren Familien und Freunden ziehen, um ihnen die Weihnachtsbotschaft zu bringen. Schon die Zeit in Irenes Wohnung war so intensiv und von Gottes Gegenwart geprägt. Danach fuhren wir in die Dörfer und sangen vor den Häusern unserer Freunde. Manche baten uns herein und wir konnten sie segnen mit unseren Zeugnissen.“ (Robert)

Man befand sich Anfang Dezember und bis Weihnachten in der ungewöhnlichen Situation, dass in Rumänien die Fallzahlen konstant zurückgingen und das öffentliche Leben mehr und mehr normal wurde. Gleichzeitig trat Deutschland in seinen zweiten Lockdown. Genau an dieser Schnittstelle bin ich am 28. November nach Rumänien gereist und verbrachte drei wunderbare Wochen dort. Bitte betrachtet die Berichte dieses Rundbriefes daher mit dem Verständnis, dass ich mich dort legal freier bewegen und verhalten konnte, als aktuell in Deutschland. Zu der viertägigen Leiterschulung waren Leiter diverser Projekte und Dienste eingeladen. Sie mussten allerdings jeweils eine Person mitbringen, in die sie sich besonders investieren wollen („Jünger“). Auf diesem Praxisseminar wechselten Lehre, Diskussion, Zweierschaftszeiten, Einüben und Hören auf Gott einander ab. Ein Nachwuchsleiter lehrte über „wer mir nachfolgt, der bringt viel Frucht“. Der Heilige Geist benutzte diese Lehre nachhaltig in den folgenden Tagen. Wir beschäftigten uns mit verschiedensten Methoden, Frucht vielfältig zu fördern.

Am nächsten Wochenende lud ich sechs junge Männer und ihre Laptops zu einem speziellen Arbeitswochenende ein, wir nannten es „Translation Tasc Force“. Ich bin beeindruckt und stolz auf diese hingegebenen jungen Männer. Gemeinsam konnten wir ALLES, was ich mir vorgenommen hatte, übersetzen. An der Website und grafischen Umsetzungen sind wir gut vorangekommen. Da die Jungs ja Grundlagen des christlichen Glaubens übersetzten, wie „Vergebung“ oder „Das Reich Gottes“, kam es unter ihnen auch zu teils hitzigen Diskussionen. Das Suchen der trefflichsten Bibelübersetzung brachte gute Debatten mit sich. Und wir hatten viel Spaß miteinander. Danke Jesus für diese fruchtbare Zeit. Ich bin stark überzeugt, dass es die richtige Zeit ist, in neues, prägnantes Arbeitsmaterial zu investieren. Ein Handwerker freut sich auch immer über neues und verbessertes Werkzeug und ist dann begeistert von den vielen neuen Funktionen. Ähnlich erleben wir es schon in kleinen Anfängen.

Sowohl Giza als auch Robert konnten wir dieses Jahr mit einem Auto beschenken. Ihre Mobilität vergrößerte und vereinfachte sich dadurch ungemein. Die Geschichte, wie Gott es Robert trotz Lockdown möglich machte, seine Fahrschule und Prüfung in kürzest-möglicher Zeit zu absolvieren, ist gewaltig.

Gott wirkt so mächtig in den Alltäglichkeiten.

Über Samenkorn e.V.

Samenkorn e.V. ist ein gemeinnütziger Verein, der in Rumänien, in Nordirland und in Deutschland tätig ist. Wir wollen Menschen ein Zuhause, Perspektive und Sinn in ihrem Leben geben, indem wir Projekte, Familien und Einzelpersonen in ihrer Arbeit vor Ort unterstützen. Gleichzeitig ist es unser Ziel, interessierten Helfern die Möglichkeit zu bieten, ein fremdes Land mit seinen Menschen kennen zu lernen, praktische Hilfe zu leisten und dadurch eine andere Sicht der Dinge zu entdecken.

Wir sind ein christlicher Verein und richten unsere Arbeit bewusst nach christlichen Werten aus. Wir glauben, dass Menschen nur dann wirklich sinnerfüllt leben können, wenn sie eine persönliche Beziehung zu dem lebendigen Gott haben. Diese Botschaft ist die größte Hilfe, die wir Menschen bringen können.

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